100 Jahre nach den Schlachten am kriegstaktisch völlig unwichtigen Hartmannswillerkopf in südlichen Elsass wurde am 08.07.2018 im Rahmen des deutsch-französischen Kulturaustausches  des Landkreises Sigmaringen im Festsaal des Meßkircher Schlosses eine Fotokunstausstellung eröffnet.

Zwei Fotokünstler haben die aktuell noch vorhandenen Relikte der militärischen Auseinandersetzung am als „Menschenfresserberg“ oder auch als  „Todesberg“ bezeichneten Hartmannswillerkopf dokumentiert. Dort wurden zwischen 1914 und 1918 ungefähr 30 000 junge Menschen getötet, sinnlos.

Für die Fotodokumentationen wurden Nathalie Savey aus Straßburg und Tobias Kern aus Köln ausgewählt.

Zur Eröffnung der Ausstellung waren neben zahlreichen Zuhörern die Organisatoren Dr. Edwin Ernst Weber und Dekan Albrecht Knoch, eine französische Delegation des Gemeindeverbandes Thann-Cernay unter der Leitung von Herrn Bürgermeister Jean-Paul Welterlen sowie die Fotografin Nathalie Savey und der Fotograf Tobias Kern im Meßkircher Schloss vertreten.

Frau Landrätin Stefanie Bürkle fand in ihrer Begrüßungsrede bewegende und berührende Worte zum Thema.

Das Saxophonquartett „Carlas SaxAffair“ unter der Leitung von Wolfgang Eisele, hat in seiner Aufgabe der Begleitung und Umrahmung der Auftaktveranstaltung diese Gedanken musikalisch weitergeführt, akzentuiert und vertieft.

Die zu diesem besonderen Anlass von Wolfgang Eisele geschaffene Eigenkomposition mit dem Titel „1918“ veranschaulicht die Dynamik des Krieges in eindringlicher Form, eine „sinfonische Verdichtung“, hier eben nicht für Orchester, sondern für 4 Saxophone geschrieben.

Wie verblüffend ähnlich und wohl  genauso gefährlich sind doch die politischen Umstände, die damals den Weg in den ersten Weltkrieg geebnet haben, im Vergleich zur aktuellen Situation der Staaten Europas, geopolitisch aber auch darüber hinaus.

Hinein in das Werk geht es mit der musikalischen Schilderung der damals wie heute relativ guten, gesicherten  Vorkriegs-Lebenslage der Menschen in Frieden, ansehnlichem Wohlstand und „blühenden“ Landschaften. Ein Zustand, der fatalerweise egozentrisches und nationalistisch eingeengtes  Denken begünstigen kann.

Nicht von ungefähr erhebt sich hier die deutsche Nationalhymne, bestimmt, selbstgefällig und vor dem ersten Weltkrieg noch mit dem Text der ersten Strophe. In der Ferne ertönt das Echo der Marseillaise….

Nur die Begleitung will nicht so recht dazu passen, die unterschwellige Ahnung des kommenden apokalyptischen Unheils unterläuft und konterkariert die scheinbar so siegesgewiss auftrumpfende Tonführung.

Unruhe, Hektik, Aufregung kommt auf, Menschen geraten außer sich, die Mobilmachung ist da…..

Harte Trommelwirbel, Kommandorufe, hallender Stechschritt, befehlsfügsam zusammengeschlagene Hacken, Kasernenhofatmosphäre………

Erstmals in der Menschheitsgeschichte beginnt ein Krieg, der mit dem Einsatz von Maschinenwaffen, Panzern, fortgesetztem Stellungskampf und der Anwendung des Massenvernichtungsmittels Giftgas einen bis dahin unvorstellbar brutalen, menschenverachtenden und menschenverschlingenden Verlauf nimmt.

Der Dynamik des  Untergangs entkommen, gestern wie heute, aber wie??

Im Lied „1918“ erklingt die Marseillaise, nun im Vordergrund und führt  über drei überraschend eingeschobene Takte im auflockernd befreienden Beguine Rhythmus hinüber zur Lösung:

Die wunderbare Idee der musikalischen Mischung und Verbindung der Nationalhymnen Frankreichs und Deutschlands als Metapher für die Beendigung der „Erbfeindschaft“, als tönendes Symbol für Völkerverständigung und Aussöhnung!

Die Komposition geht in ihrer Intention hierbei letztlich weit über die deutsch-französische Freundschaft hinaus.

 

Ohne Miteinander, Respekt, Achtung und Zusammenarbeit wird die Menschheit nicht überleben können!

 

        

 

„Die Liebe ist wie eine erste Trennlinie zwischen der äußeren Welt, in der sie gelebt wird….und der geheimnisvollen inneren Welt, in der sie in uns wohnt, in jedem Augenblick, bis zum Tod“

(Bleistift-Zeilen eines tödlich verwundeten, sterbenden Oberleutnants der französischen Armee. Auszug aus: Pierre Cendors: Minuit en mon silence. In: Le tripode 2017)

 

„Wagen wir es, wieder Blicke Blicke zu wechseln, damit unsere Leben nicht mehr missbraucht werden………Eure Väter haben die Waffen gekreuzt, damit wir heute Blicke wechseln und gemeinsam leben können in Frieden“

(Daniel Mèrignargue, Sous-Prèfet von Thann-Guebwiller)

 

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